Forschung
Psychische Erkrankungen als Erkrankungen des Gehirns verstehen
Seine Forschung verbindet Gewebe, Bildgebung, Genetik und klinische Studien. Das Ziel bleibt dasselbe wie 1986: verstehen, was im Gehirn schiefläuft, und daraus Behandlungen ableiten, die Menschen wirklich helfen.
Schwerpunkte
Vier Fragen, die seine Arbeit bestimmen.
Wie Schizophrenie im Gehirn entsteht
Von der ersten Arbeit über Zellverluste im Hippocampus bis zur heutigen Hypothese einer gestörten Reifung der Oligodendrozyten: Schizophrenie als Störung der Regeneration, nicht der Degeneration.
Bewegung als Therapie
Kann Ausdauertraining bei Schizophrenie den Hippocampus vergrößern und Gedächtnis und Alltag verbessern? Studien, Mechanismen und die Frage, wer davon profitiert.
Früh erkennen, gezielt behandeln
Mit Bildgebung, Genetik und maschinellem Lernen sollen Verläufe vorhersagbar werden, damit Menschen die Behandlung erhalten, die zu ihnen passt.
Versorgung und Prävention
Leitlinien, Versorgungsforschung und die Frage, wie sich psychische Erkrankungen verhindern lassen, auch im Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit.
Wie sich die Themen verschoben haben
Anteil der Arbeiten je Zeitraum, die ein Thema berühren. Eine Arbeit kann mehrere Themen haben. Zuordnung nach Titel und Schlagworten in PubMed.
| Thema | bis 1999 | 2000-2004 | 2005-2009 | 2010-2014 | 2015-2019 | 2020-2026 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Neuropathologie | 40 % | 29 % | 13 % | 7 % | 10 % | 4 % |
| Bildgebung | 40 % | 45 % | 29 % | 20 % | 16 % | 15 % |
| Genetik | 13 % | 14 % | 13 % | 24 % | 15 % | 16 % |
| Sport & Bewegung | 0 % | 4 % | 3 % | 7 % | 13 % | 9 % |
| Hirnstimulation | 0 % | 0 % | 7 % | 11 % | 11 % | 4 % |
| Kognition | 15 % | 10 % | 29 % | 20 % | 26 % | 16 % |
| Medikamente | 6 % | 16 % | 20 % | 16 % | 12 % | 16 % |
| Prädiktion & KI | 0 % | 0 % | 3 % | 4 % | 10 % | 14 % |
| Versorgung & Leitlinien | 6 % | 8 % | 8 % | 18 % | 23 % | 24 % |
| COVID-19 | 2 % | 2 % | 0 % | 0 % | 0 % | 7 % |
Im Detail
Neurobiologie der Schizophrenie
Seine Doktorarbeit und die erste Veröffentlichung 1986 zählten Nervenzellen im Hippocampus von Menschen mit Schizophrenie. Daraus wurde eine Lebensfrage: Warum verliert das Gehirn bei dieser Erkrankung an Volumen, ohne dass sich eine typische Narbenbildung zeigt? Post-mortem-Studien, später Bildgebung und Zellmodelle aus Stammzellen führen ihn zu der Annahme, dass vor allem die Reifung der Oligodendrozyten gestört ist, also der Zellen, die Nervenfasern mit Myelin umhüllen.
Arbeiten: 1986, Mol Psychiatry 2003, Schizophr Bull 2023
Ausdauertraining und Neuroplastizität
2010 zeigte seine Gruppe, dass drei Monate Ausdauertraining das Volumen des Hippocampus bei Schizophrenie vergrößern. Seitdem folgten multizentrische Studien, Analysen zur Frage, wer davon besonders profitiert, und die EPA-Empfehlungen zu Bewegung und Lebensstil bei schweren psychischen Erkrankungen.
Arbeiten: Arch Gen Psychiatry 2010, Eur Psychiatry 2018, Eur Psychiatry 2024, 2025
Vorhersage und Präzisionspsychiatrie
Gemeinsam mit Partnern in München und Europa arbeitet er daran, aus Bildgebung, Genetik und klinischen Daten individuelle Verläufe vorherzusagen. Dazu gehören Studien zum beschleunigten Altern des Gehirns und Übersichtsarbeiten zu maschinellem Lernen in Psychiatrie und klinischer Psychologie.
Arbeiten: Schizophr Bull 2013, Annu Rev Clin Psychol 2018
Leitlinien und Versorgung
Er hat internationale Leitlinien zur biologischen Behandlung der Schizophrenie mitgeschrieben und die Arbeitsgruppe mitgeprägt, die Therapieresistenz bei Schizophrenie einheitlich definiert. In Deutschland setzt er sich für eine bessere Versorgung und für Prävention ein, unter anderem im Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit.
Arbeiten: Am J Psychiatry 2016, WFSBP 2012, WFSBP 2026
Projekte, Verbünde und Studien
Eine Auswahl der Verbünde, Infrastrukturen und Studien, die er leitet oder mitträgt.
Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG)
Bundesweiter Verbund für translationale Forschung zu Prävention, gezielter Behandlung und Resilienz. Seit Mai 2025 Sprecher des DZPG, gemeinsam mit Silvia Schneider, und Sprecher des Standorts München und Augsburg mit dem Schwerpunkt Früherkennung und frühe Intervention.
ESPRIT C3: Ausdauertraining bei Schizophrenie
Multizentrische randomisierte Studie im Forschungsverbund ESPRIT: Verbessert aerobes Ausdauertraining zusätzlich zur Standardbehandlung Kognition und Alltagsfunktion? Ergebnisse 2023, Folgeauswertungen zu Bildgebung und Prädiktoren.
Spironolacton als Zusatzbehandlung bei Schizophrenie
Multizentrische Studie zu einem neuen Behandlungsansatz über den NRG1-ERBB4-Signalweg, abgeleitet aus der genetischen und neurobiologischen Forschung.
PsyCourse
Längsschnittkohorte zu Psychosen und affektiven Erkrankungen, die klinische, kognitive, genetische und Bildgebungsdaten über mehrere Jahre verbindet. Hervorgegangen aus der DFG-Klinischen Forschergruppe 241.
Zusammenarbeit
Er ist offen für Kooperationen in Grundlagen- und klinischer Forschung, für gemeinsame Förderanträge und für den Austausch mit Partnern aus Versorgung und Industrie.